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Am 29.1.2007 erscheint mit "Klage" das neue Album von Leichenwetter.
Die fünfköpfige Gothic-Metalband mit dem gewöhnungsbedürftigen
Bandnamen vertont in ihren Stücken Werke verstorbener deutscher Dichter
und geht ihren Weg auf "Klage" konsequent weiter.
Vielen ist Leichenwetter bislang unbekannt, obwohl sie unter anderem
als Vorband von Tanzwut und Subway to Sally auftraten. Ob es sich
lohnt, diesen Umstand mit "Klage" zu ändern, lesen Sie in folgender
Rezension.
Um es vorab noch einmal deutlich zu machen:
Die Lieder Leichenwetters sind ursprünglich Gedichte bekannter
deutscher Dichter. Breitgefächert bedient sich die Band verschiedenster
Lyrik diverser Literaturepochen und wählt unter anderem Werke von
Schiller bis Goehte zur Bearbeitung und anschließenden Vertonung aus.
Diese erfahren bei Leichenwetter eine Einkleidung in eine Mixtur aus
Gothic und Metal, wohldosiert unterstützt von synthetischen Einflüssen.
Bereits das erste Stück des Albums, "Altes Lied", basierend auf
Heinrich Heine, entpuppt sich als echter Ohrwurm. Die musikalische
Qualität wird sofort klar: Brachiale und kraftvolle Rockmusik wird
unter anderem durch den Einsatz von Piano und dem gekonnten Gesang
harmonisch und melodisch präsentiert. Den Musikern gelingt es, in ihrer
Musik einen wahren Tiefgang zu erzeugen.
Das zweite und für das Album namensgebende Stück "Klage" (zurückgehend
auf Georg Trake) kommt ruhiger daher. Im Ohr bleibt es nicht so präsent
wie das "alte Lied", doch der Transphär der alten Lyrik in die
Gegenwart gelingt erneut.
Bei "Allerseelen" (ebenfalls Georg Trake) nehmen die Einflüsse von
Elektrik und Dark Wave einen höheren Stellenwert ein und das
darauffolgende "Schwanenlied" (Gottfried August Bürger) ist eine schön
inszenierte Rockballade.
Die Vielseitigkeit der Dichtungen und Dichter spiegelt sich in der
Musik Leichenwetters wieder. An Kreativität mangelt es auf diesem Album
keinesfalls.
Der Eindruck bestätigt sich durch "Sehnsucht" (Friedrich Schiller)
weiter, das von der Band sehr treffend hymnenartig interpretiert wird.
Auch vor Experimenten wird nicht zurückgeschreckt: Die Untermalung von
"Und die Hörner des Sommers verstummen" (Georg Heym) erinnert teilweise
sogar an indischen Raga.
Spätestens hier wird auch endgültig die hohe Bandbreite von Sänger
Numen deutlich: Das Stimmrpertoire reicht von kraftvoll und düster über
Sprechparts hinauf bis zu gefühlvollen Gesangseinlagen.
"Requiem", ursprünglich aus der Feder von Gottfried Benn, und das
von Andreas Gryphius entliehene "Menschliches Elende" weisen einen
geringeren Widererkennugswert auf, führen das Album jedoch im
entsprechenden Sinne weiter und erneut stellt sich die Übertragung
der Gedichtsverse in Musikstücke als gelungen dar.
Den Ausgleich bieten die Interpretationen von "Gesang der Geister
über den Wolken" (J.W.v. Goethe) und "An einem Grabe" (Hermann Hesse),
wobei das von Goethe entliehene Stück musikalisch weniger gut
davonkommt als das von Hesse.
Die nun noch folgenden Techno-Mixe von "Requiem" und "Klage" hätte
man auch einsparen können. Insbesondere gilt dies für "Requiem",
welchem - ohnehin nicht gerade das Glanzstück der CD - durch den
Technomix keinen Gefallen getan wurde.
Fazit:
Leichenwetter haben es sich zur Aufgabe gemacht, Werke verstorbener
deutscher Dichter als Grundlage ihrer Lieder zu verwenden. Lyrische
Werke längst vergangener Tage musikalisch in die heutige Zeit zu
befördern ist ein ehrgeiziges Vorhaben - es ist auf "Klage" rundum
gelungen!
Die behandelten Werke sind nicht jene, die jedermann in einem
Schullesebuch begegnen, sondern gut und umfassend ausgewählt und - was
natürlich am wichtigsten ist - sehr gut musikalisch umgesetzt.
Leichenwetter präsentiert sich auf "Klage" als vielseitige und kreative
Band. Das einizge was man eventuell vermissen könnte, ist ein Stück, in
dem die Rockinstrumente durchgehend härter eingesetzt werden.
"Klage" ist ein sehr stimmiges und hochwertiges Gesamtkunstwerk, das sich auch szeneintern von der Masse abhebt!
Die CD ist uneingeschränkt zu empfehlen!
Vielleicht ergibt sich ja auch einmal die Gelegenheit zu sehen, wie Leichenwetter ihre Musik live umsetzen!
Eine Rezension von Stefan Frühauf
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