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Leichenwetter - Klage Drucken
Geschrieben von Stefan   
Donnerstag, 25 Januar 2007

Am 29.1.2007 erscheint mit "Klage" das neue Album von Leichenwetter.

Die fünfköpfige Gothic-Metalband mit dem gewöhnungsbedürftigen Bandnamen vertont in ihren Stücken Werke verstorbener deutscher Dichter und geht ihren Weg auf "Klage" konsequent weiter.

Vielen ist Leichenwetter bislang unbekannt, obwohl sie unter anderem als Vorband von Tanzwut und Subway to Sally auftraten. Ob es sich lohnt, diesen Umstand mit "Klage" zu ändern, lesen Sie in folgender Rezension.

klagecover

 
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Um es vorab noch einmal deutlich zu machen:

Die Lieder Leichenwetters sind ursprünglich Gedichte bekannter deutscher Dichter. Breitgefächert bedient sich die Band verschiedenster Lyrik diverser Literaturepochen und wählt unter anderem Werke von Schiller bis Goehte zur Bearbeitung und anschließenden Vertonung aus.

Diese erfahren bei Leichenwetter eine Einkleidung in eine Mixtur aus Gothic und Metal, wohldosiert unterstützt von synthetischen Einflüssen.

Bereits das erste Stück des Albums, "Altes Lied", basierend auf Heinrich Heine, entpuppt sich als echter Ohrwurm. Die musikalische Qualität wird sofort klar: Brachiale und kraftvolle Rockmusik wird unter anderem durch den Einsatz von Piano und dem gekonnten Gesang harmonisch und melodisch präsentiert. Den Musikern gelingt es, in ihrer Musik einen wahren Tiefgang zu erzeugen.

Das zweite und für das Album namensgebende Stück "Klage" (zurückgehend auf Georg Trake) kommt ruhiger daher. Im Ohr bleibt es nicht so präsent wie das "alte Lied", doch der Transphär der alten Lyrik in die Gegenwart gelingt erneut.

Bei "Allerseelen" (ebenfalls Georg Trake) nehmen die Einflüsse von Elektrik und Dark Wave einen höheren Stellenwert ein und das darauffolgende "Schwanenlied" (Gottfried August Bürger) ist eine schön inszenierte Rockballade.

Die Vielseitigkeit der Dichtungen und Dichter spiegelt sich in der Musik Leichenwetters wieder. An Kreativität mangelt es auf diesem Album keinesfalls.

Der Eindruck bestätigt sich durch "Sehnsucht" (Friedrich Schiller) weiter, das von der Band sehr treffend hymnenartig interpretiert wird. Auch vor Experimenten wird nicht zurückgeschreckt: Die Untermalung von "Und die Hörner des Sommers verstummen" (Georg Heym) erinnert teilweise sogar an indischen Raga.

Spätestens hier wird auch endgültig die hohe Bandbreite von Sänger Numen deutlich: Das Stimmrpertoire reicht von kraftvoll und düster über Sprechparts hinauf bis zu gefühlvollen Gesangseinlagen. 

"Requiem", ursprünglich aus der Feder von Gottfried Benn, und das von Andreas Gryphius entliehene "Menschliches Elende" weisen einen geringeren Widererkennugswert auf, führen das Album jedoch im entsprechenden Sinne weiter und erneut stellt sich die Übertragung der Gedichtsverse in Musikstücke als gelungen dar.

Den Ausgleich bieten die Interpretationen von "Gesang der Geister über den Wolken" (J.W.v. Goethe) und "An einem Grabe" (Hermann Hesse), wobei das von Goethe entliehene Stück musikalisch weniger gut davonkommt als das von Hesse.

Die nun noch folgenden Techno-Mixe von "Requiem" und "Klage" hätte man auch einsparen können. Insbesondere gilt dies für "Requiem", welchem - ohnehin nicht gerade das Glanzstück der CD - durch den Technomix keinen Gefallen getan wurde.

Fazit:

Leichenwetter haben es sich zur Aufgabe gemacht, Werke verstorbener deutscher Dichter als Grundlage ihrer Lieder zu verwenden. Lyrische Werke längst vergangener Tage musikalisch in die heutige Zeit zu befördern ist ein ehrgeiziges Vorhaben - es ist auf "Klage" rundum gelungen!

Die behandelten Werke sind nicht jene, die jedermann in einem Schullesebuch begegnen, sondern gut und umfassend ausgewählt und - was natürlich am wichtigsten ist - sehr gut musikalisch umgesetzt. Leichenwetter präsentiert sich auf "Klage" als vielseitige und kreative Band. Das einizge was man eventuell vermissen könnte, ist ein Stück, in dem die Rockinstrumente durchgehend härter eingesetzt werden.

"Klage" ist ein sehr stimmiges und hochwertiges Gesamtkunstwerk, das sich auch szeneintern von der Masse abhebt!

Die CD ist uneingeschränkt zu empfehlen!

Vielleicht ergibt sich ja auch einmal die Gelegenheit zu sehen, wie Leichenwetter ihre Musik live umsetzen! 

Eine Rezension von Stefan Frühauf

 
 



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